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Ein unglaubliches Konzept - Ist das die Zukunft des Handels?

Artikel des Gastautors Claus E. Dürke, 24.10.2018

Shop

Es könnte zur Revolution im Einzelhandel führen. Die Headline lautet: Kaufen nicht nötig, anfassen erwünscht, ausprobieren möglich. Wenn sich der Kunde entschieden hat, ist das Kaufen nur digital möglich. Kassierer gibt es nicht. Die Auslieferung des gekauften Artikels erfolgt möglicherweise noch am gleichen Tag. Mit unhandliche Gepäckstücken durch die Stadt zu laufen bleibt dem Kunden erspart. Die Rede ist vom Shop im Shop.

 

Woher kommt dieser neue Trend, was macht ihn so reizvoll und warum muss der Einzelhandel umdenken? Alle Antworten findest du im folgenden Artikel.

 

Die Problematik des Einzelhandels

Das größte Problem seit dem Aufkommen der Webshops ist "Showrooming", das heißt nichts anderes, als dass sich der Kunde im örtlichen Ladengeschäft eingehend über das Produkt bzw. die Innovation informiert und dann kostengünstig online kauft. Das kann zum Untergang des herkömmlichen Einzelhandels führen. Der Spielzeug-Riese Toys-R-Us ist bereits Pleite gegangen, die Handelsketten Karstadt und Kaufhof kämpfen ums Überleben und haben bereits Ihre Fusionsverträge unterschrieben.

 

Der Ausweg aus der Krise

Die Herren Vibhu Norby, William Mintun und Phillip Raub haben sich mit dem "B8ta" eine neue Geschäftsidee ausgedacht und in Amerika schon mehrere Läden eröffnet. Es geht nicht nur um den Wandel des Kaufverhaltens vom Endverbraucher, dieses Geschäftsmodell versteht sich als Dienstleister für den Hersteller. Bisher beansprucht der Händler die alleinige Beziehung zum Kunden. Der Hersteller erhält kaum Daten über seine Produkte, Umsätze nur mit großer Verzögerung und Kundenwünsche so gut wie gar nicht. B8ta - ausgesprochen wie Beta- bietet  mit seinem Portal und seinen Läden einen Ausweg aus der Krise. Wenn der Einzelhandel die Chance erkennt, kann er einen Teil seiner Verkaufsflächen für das B8ta-System zur Verfügung stellen. d. h. verpachten. Das zieht Kunden an, die bereits im Laden sind und macht das Warenangebot attraktiver. In Amerika funktioniert dieses Modell bereits mit der Baumarktkette "Lowe`s". (70 Shop-in-Shop Läden). Mark Cohen, Professor an der Columbia University in New York gibt klassischen Kaufhäusern und Handelsketten nur dann eine Überlebenschance. wenn sie sich radikal der digitalen Ära anpassen.

 

Mit den Augen ansehen, mit den Händen spüren.

Was verbirgt sich hinter diesem Konzept? Vom Betreiber werden großflächige Ladengeschäfte in den Zentren der Städte gepachtet, die Räumlichkeiten werden komfortabel ausgestattet und auf Holztischen werden die Exponate präsentiert. Zahnbürsten, drahtlose Lautsprecher, Heimroboter, Nahrungsergänzungsmittel, Kokosnussknacker, Seifenspender etc.

 

Die Kunden werden dazu eingeladen, die ausgestellten Artikel anzufassen und auszuprobieren. Es gibt auch eine Beratung in den Räumlichkeiten. Diese erfolgt absolut neutral. Im Mittelpunkt steht die Erklärung des Produktes und der Berater will und soll herausfinden, welchen Eindruck der Kunde von dem jeweiligen Produkt hat und welche Kommentare er abgibt. Diese Informationen werden protokolliert und mit den Bilder der Kamera, die über allen Tischen installiert sind, gesammelt und ausgewertet. Die Hersteller haben Zugang zu diesen Daten und erfahren so, welches Interesse die Endverbraucher an diesen Produkten zeigen und welche Verbesserung sie wünschen. An jedem Tisch liegt zudem ein Tablet mit dem die Kunden eingehend über die Produkte informiert werden. Preisvergleiche sind möglich und Rezensionen können gelesen werden.

 

Dieses Anfassen der Ware, dessen Größe und das sichtbare Design mit allen Facetten macht auf den Kunden einen ganz anderen Eindruck, als eine noch so perfekte Darstellung im Online-Shop.

 

... und wer bezahlt das?

Der Hersteller bezahlt die Präsentationsfläche. Der Preis richtet sich danach, ob er seine Produkte an einem oder mehreren  Standorten platzieren will. Die Wertschöpfung erfolgt ausschließlich zu Gunsten des Ausstellers. Die Attraktivität dieser Geschäftsidee führte dazu, das die Gründer 19,5 Millionen Investorengelder einsammeln konnten. Die Kaufhauskette Macy`s  hat bereits einen Laden eingerichtet, will das Geschäft mit B8ta ausbauen und hat eine Minderheitsbeteiligung erworben.